nach wie vor

… leider habe ich vergessen, von wem diese Gedichtzeilen sind, wo ich sie gelesen habe. Den Bilderrahmen erbte ich einst von meiner Großmutter. Das Bild malte ich einige Monate nach ihrem Tod.

Alles hat nach wie vor Bedeutung.

Leben in einer anderen Welt

Alle Kunst entsteht daraus, dass sich der Künstler der Welt unsicher ist. Diese Welt passt nicht zu ihm, und er passt nicht in sie, er fühlt sich fremd… So schreibt es an einer Stelle Ferdinand von Schirach.

Wenn bestimmte Werke eines Künstlers im Auge eines Betrachters fremdartig erscheinen, dann deshalb, weil der Betrachter sich auf der Seite seines (Beobachtungs)Spiegels befindet. Und auf der Seite seines Spiegels soll Kunst eine Aufgabe haben, Gewinn bringen, Prestige. Auf der anderen Seite jedoch, dort wo der Künstler sich befindet, spendet Kunst allenfalls Trost. Sie hilft dem Künstler sich in der anderen Welt überhaupt erst zurecht zufinden… Künstler und Betrachter leben offensichtlich voneinander getrennt; eine feine Membran steht zwischen ihnen. Vergleichbar einer Trennscheibe, die z.B. Gefangene von anderen Personen trennt. Solch eine Trennscheibe dient dazu, dass keine Gegenstände, Drogen, aber auch keine Schriftstücke, ausgetauscht werden können und keine Berührungen zwischen Häftling und Besucher möglich sind. Trennscheiben bestehen meist aus durchsichtigem Kunststoff. In meinem Fall jedoch aus Fotopapier, Pappe oder auch Leinwand.

Es heißt, die Personen können sich durch die Trennscheibe entweder über Sprechschlitze oder mittels eines Telefons verständigen. Wir können also miteinander reden. Aber verstehen wir uns auch?

Beweise meiner Abwesenheit

Unmöglich sich selber jemals einzuholen. So sehr ich versuche, mich anstrenge, um mich endlich zu erreichen, ich bin stets schon fort, wenn ich glaube, ich würde mich endlich doch zu fassen bekommen…  Zurück bleiben, als Zeichen, dass ich schon hier & dort war, Bilder, Zeichnungen und Collagen.

Ein verspäteter Sommernachtstraum

Die Nachrichten, alle Medien, das Netz, überall nur Berichte über die Ukraine-Krise, die russische Mobilmachung, Sorgen über unsere Gasknappheit und weitere apokalyptische Visionen, wie zum Beispiel das Oktoberfest… Hinfort, hinfort. O, die Erfindung von Zwergen und ihren Problemen, sie gleicht einer Rechtfertigung von Selbstherrlichkeit.

Ich nehme mir deshalb vor den „Schutzgarten“ meiner Kunst aufzusuchen, um mir dort gute Gedanken einzupflanzen, auf dass sie mir wunderbare Blüten und Früchte schenken werden. Leise summe ich dabei „Somewhere Over The Rainbow“. Was wir im Traum erleben, vorausgesetzt, dass wir es oftmals erleben, gehört zuletzt so gut zum Gesamthaushalt unserer Seele, wie irgendetwas „wirklich“ Erlebtes. Flüstert mir meine Urgroßmutter ins Ohr, die mich in ihren Armen hält. Sie zitiert Friedrich Nietzsche. Aber mir steht der Sinn nach etwas anderem…

Denn… lieber will der Mensch das Nichts wollen, als nicht wollen. (Friedrich Nietzsche)

Das Gespräch zweier Seelen.

Nachdenken über die „eigentliche Bedeutung dieser wunderbaren Kunst“… oder auch: Kyot trifft auf Detlef Bach.

Zum Existenzgefühl des Menschen gehört es, zu begreifen, dass er ein Teil von etwas großen Ganzen ist. Und dass er zugleich das festhalten will, was ihn von jeden anderem Menschen unterscheidet. Solch ein Bestreben nannte ich bis dato gerne auch meine Kunst. Und mein Freund Kyot fügt hinzu: „Mir ist beim Malen wichtig, dass der Moment in der Linie spürbar ist.“

Und so wollen wir es, unser ständiges Bemühen, verstanden wissen: Wir alle spielen oder starren ständig auf unzählbar viele Bühnen und/oder Bildschirme. „Individualität versus Schwarmverhalten“ heißt das Stück, dass überall und pausenlos um uns herum gezeigt bzw. uns vorgespielt wird. Ein Philosoph resümiert, dass das Eigene (Ich) heutzutage in Gefahr ist, entwertet zu werden. Lieber schließe man sich deshalb der Masse an und übernähme die Standards, die von der Masse verlangt und definiert würden. „Man geht zuerst ins Netz und schaut auf den medialen Beobachtungsschirm, um dann zur Selbstwahrnehmung zu kommen.“ (Rüdiger Safranski)

Auf diese Art und Weise läuft jeder von uns allerdings Gefahr sein eigenes, wahres Selbstgefühl zu verlieren…Denn zum Denken, so die Philosophin Hannah Arendt, benötige jeder von uns das Alleinsein. Sie meint damit die Unterbrechung des ständigen, überbordenen Kommunikationsstroms mit all seinen Informationen. Von diesen werden wir Tag für Tag geradezu überschwemmt. Um diesem Tsunami entkommen zu können, bedarf es der Zurückgezogenheit, der Vereinzelung. Kunst war für mich, war für uns, stets dieser Ort. Ein selbstgewähltes Exil auf Zeit, ein Moment des erfrischenden Alleinseins. Spürbar in jeder Linie. Diese Kunst als auch – und vorallem – das „Denken“, so sagt Hannah Arendt, sei mit der „Erfahrung des inneren Gesprächs mit sich selbst“ vergleichbar. „Das Denken ist, existentiell gesehen, etwas, das man allein tut, aber nicht einsam: allein sein heißt mit sich selbst umgehen; einsam sein heißt alleine sein, ohne sich in das Zwei-in-einem aufspalten zu können, ohne sich selbst Gesellschaft leisten zu können.“

Wir deuten Hannah Arendt für uns gerne so um, das wir auch in der Kunst als Einzelner, der jeder von uns nun einmal ist, seine Dualität entdecken, d.h. ein Gespräch innerhalb der eigenen Seele zu führen vermag. Wenn zwei Künstlerfreunde sich also nun zusammen finden und jeder dem anderen seine ganz eigene Kunst an- und darbietet, welche Quíntessenz könnte dieses Gespräch zweier Seelen ergeben? Vielleicht ist es die wunderbare Erkenntnis, dass beide Freunde durch ihr vertrauensvolles Gespräch am Ende, jeder für sich, ein kleines bißchen weniger allein ist. Dies wäre doch ein überaus schöner und tröstlicher Gedanke: Durch Kunst weniger allein als zuvor. Aber sehen Sie doch selbst: im „Salon 87a“ am 29. und 30. Oktober 2022 und am darauffolgenden Wochenende am 5. und 6. November 2022.

Beizeiten werde ich diesen Artikel noch einmal posten… Heute wollte ich mich einfach schon einmal an ihm erfreuen. Für mich allein.

Analyse und Gemüt

Bin ich das Sichtbarwerden durch das Dagewesene? Verdammt, wer bin ich, dass…? Ich verstehe die Frage nicht einmal. Ich liege doch bloß da. Auf Mutters Pelzmantel und Vaters Morgenmantel… dies sind die eigentliche Leinwände für meine Kunst; das Innenfutter meiner Seele.

Der lebensbejahende Mensch ist der, der sich nicht nur mit dem, was war und ist, abgefunden hat, sondern es, so wie es war und ist, wieder haben will, in alle Ewigkeit hinaus. So schreibt Friedrich Nietzsche. Und Rainer Maria Rilke setzt hinzu: „Zwar manche sind an Wagen angespannt, / doch alle haben Mut in ihren Mienen; / ein böser roter Löwe geht mit ihnen / und dann und wann ein…“ Ein was? Vielleicht ein gutes Bild? Ein guter Gedanke? Eine Idee?

Liebe.

Weitere Exerzitien

Mein lieber Freund René Sydow, Kabarettist, Autor, Schauspieler und Regisseur, schrieb in einem seiner Gedichte: „ein Anfang bleibt ein Anfang bleibt ein / Hoffnungsschimmer / ein Hoffnungsschimmer bleibt ein / Hoffnungsschimmer bleibt ein / Anfang… “ So gehe ich mehr als zufrieden jeden Tag ans Werk.